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title: "Progressive Disclosure"
url: "https://www.insideuxdesign.com/de/glossar/progressive-disclosure"
language: "de"
description: "Was ist Progressive Disclosure? Einfach erklärt mit Beispiel und Praxistipps. Erfahre, wie du Oberflächen übersichtlich hältst, ohne Funktionen zu streichen."
published: "2026-10-14T09:50:32+02:00"
updated: "2026-10-14T13:02:59+02:00"
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# Progressive Disclosure

Progressive Disclosure ist ein Gestaltungsprinzip, bei dem eine Oberfläche zuerst nur das Wichtigste zeigt. Weitere Optionen und Details erscheinen erst, wenn jemand sie anfordert.

- **Buchstabe:** P

UX-Glossar

# Progressive Disclosure

Progressive Disclosure ist ein Gestaltungsprinzip, bei dem eine Oberfläche zuerst nur das Wichtigste zeigt. Weitere Optionen und Details erscheinen erst, wenn jemand sie anfordert.

Stell dir vor, du willst schnell ein PDF ausdrucken. Statt eines einfachen Dialogs mit „Drucker“, „Seiten“ und „Drucken“ öffnet sich ein Fenster mit 40 Optionen: Farbprofile, Randabstände, Duplex-Bindung, Papierfach. Du suchst eine halbe Minute nach dem Druck-Button.

Viele Druckdialoge lösen das anders: Sie zeigen zuerst das Nötigste und verstecken den Rest hinter „Weitere Einstellungen“. Dieses Prinzip heißt Progressive Disclosure, auf Deutsch etwa „schrittweise Offenlegung“.

## Einfach erklärt

Progressive Disclosure bedeutet: Eine Oberfläche zeigt zuerst nur die wichtigsten Informationen und Funktionen. Alles Weitere erscheint erst, wenn jemand es ausdrücklich anfordert. Das ist wie eine Speisekarte, die vorn die Hauptgerichte zeigt, während die Weinkarte separat auf Nachfrage kommt. Wer nur essen will, wird nicht von 80 Weinen erschlagen. Wer Wein möchte, bekommt die volle Auswahl.

Jakob Nielsen hat das Prinzip 2006 in einem viel zitierten Artikel beschrieben. Sinngemäß schreibt er, dass Progressive Disclosure gleich drei Aspekte der Usability verbessert: Neulinge lernen ein System schneller, Erfahrene arbeiten effizienter und es passieren weniger Fehler. Die Idee selbst war schon damals nicht neu. Nielsen bezeichnet sie als über 30 Jahre alt.

## Worauf es ankommt

Laut Nielsen hängt der Erfolg an zwei Dingen. Erstens an der richtigen **Aufteilung**: Was häufig gebraucht wird, gehört nach vorn. Was selten gebraucht wird, darf in die zweite Ebene. Diese Entscheidung triffst du am besten auf Basis von Daten, etwa aus Nutzungsstatistiken, Beobachtungen und einem [Usability-Test](https://www.insideuxdesign.com/de/glossar/usability-test). Zweitens muss der **Weg zur zweiten Ebene** klar erkennbar sein. Ein Link wie „Erweiterte Optionen“ sollte gut sichtbar sein und deutlich sagen, was dahinter wartet.

Nielsen rät außerdem von mehr als zwei Ebenen ab, weil sich Menschen sonst leicht verlaufen. Eine verwandte Variante ist die *Staged Disclosure*: Ein Assistent führt Schritt für Schritt durch einen Ablauf, etwa bei einer Buchung. Hier durchlaufen Menschen jeden Schritt, während sie bei Progressive Disclosure selbst entscheiden, ob sie tiefer gehen.

Hinter dem Prinzip steckt, dass das Arbeitsgedächtnis nur begrenzt viel gleichzeitig verarbeiten kann. Jede zusätzliche Option erhöht die [kognitive Belastung](https://www.insideuxdesign.com/de/glossar/cognitive-load). Mehr dazu im Artikel [Grundlagen menschlicher Wahrnehmung: Das Kurzzeitgedächtnis](https://www.insideuxdesign.com/de/blog/grundlagen-menschlicher-wahrnehmung-das-kurzzeitgedaechtnis).

## Ein Beispiel

Vorher zeigt eine Banking-App beim Überweisen alle Felder auf einmal: Empfänger, IBAN, Betrag, Verwendungszweck, Ausführungsdatum, Dauerauftrag, Rhythmus, Endtermin. Viele scrollen verunsichert hin und her.

Nachher zeigt der Screen zunächst nur Empfänger, IBAN, Betrag und Verwendungszweck. Darunter steht „Später ausführen oder als Dauerauftrag“. Wer das braucht, klappt es auf. Alle anderen sind nach vier Feldern fertig.

## Häufige Missverständnisse

Progressive Disclosure heißt nicht, Funktionen zu verstecken, die viele Menschen regelmäßig brauchen. Landet eine häufig genutzte Option in der zweiten Ebene, kostet jeder Zugriff einen zusätzlichen Klick und Suchzeit. Das Prinzip funktioniert nur, wenn die Aufteilung zur tatsächlichen Nutzung passt.

## In der Praxis

- **Nutzung messen statt raten.** Prüfe mit Daten und Beobachtungen, welche Funktionen wirklich häufig gebraucht werden, bevor du etwas in die zweite Ebene verschiebst.
- **Klar beschriften.** „Mehr“ allein sagt wenig. „Lieferadresse ändern“ oder „Erweiterte Filter“ zeigt, was sich öffnet.
- **Maximal zwei Ebenen.** Wenn du eine dritte brauchst, ist das ein Zeichen, dass die Funktion selbst vereinfacht werden sollte.

## Verwandte Begriffe

[Cognitive Load](https://www.insideuxdesign.com/de/glossar/cognitive-load), [Onboarding](https://www.insideuxdesign.com/de/glossar/onboarding), [Hick’s Law](https://www.insideuxdesign.com/de/glossar/hicks-law), [Mentales Modell](https://www.insideuxdesign.com/de/glossar/mentales-modell)

## Quellen

- [Jakob Nielsen: Progressive Disclosure. Nielsen Norman Group, 2006](https://www.nngroup.com/articles/progressive-disclosure/)
- [Kathryn Whitenton: Minimize Cognitive Load to Maximize Usability. Nielsen Norman Group, 2013](https://www.nngroup.com/articles/minimize-cognitive-load/)

## Weitere Begriffe

 [  ### A/B-Test

Ein A/B-Test ist ein Experiment, bei dem zwei Varianten einer Seite oder eines Elements gleichzeitig an zufällig aufgeteilte Besuchende ausgespielt werden. So entscheidest du anhand echter Daten, welche Variante besser funktioniert.

 ](https://www.insideuxdesign.com/de/glossar/a-b-test) [  ### ARIA

ARIA ist ein W3C-Standard, der HTML um Rollen, Zustände und Eigenschaften ergänzt. So erfahren Screenreader, was ein Element ist und wie es sich gerade verhält.

 ](https://www.insideuxdesign.com/de/glossar/aria) [  ### Affordance

Eine Affordance beschreibt, welche Handlung ein Objekt möglich macht und ob Menschen das erkennen: Ein Button lädt zum Drücken ein, ein Griff zum Ziehen.

 ](https://www.insideuxdesign.com/de/glossar/affordance) [  ### Alternativtext

Ein Alternativtext ist eine kurze Textfassung eines Bildes im HTML-Attribut alt. Screenreader lesen ihn vor, damit Menschen, die das Bild nicht sehen, dieselbe Information bekommen.

 ](https://www.insideuxdesign.com/de/glossar/alternativtext) [  ### Arbeitsgedächtnis

Das Arbeitsgedächtnis hält Informationen für kurze Zeit fest, damit du mit ihnen arbeiten kannst. Es fasst nur wenig, deshalb sollten Interfaces möglichst wenig Merkarbeit verlangen.

 ](https://www.insideuxdesign.com/de/glossar/arbeitsgedaechtnis) [  ### Atomic Design

Atomic Design ist eine Methode, Benutzeroberflächen aus kleinen, wiederverwendbaren Bausteinen aufzubauen: von einzelnen Elementen wie Buttons bis zu ganzen Seiten.

 ](https://www.insideuxdesign.com/de/glossar/atomic-design) [  ### BFSG

Das Barrierefreiheitsstärkungsgesetz (BFSG) verpflichtet seit dem 28. Juni 2025 viele Unternehmen, bestimmte Produkte und digitale Dienstleistungen wie Onlineshops barrierefrei zu gestalten.

 ](https://www.insideuxdesign.com/de/glossar/bfsg) [  ### Barrierefreiheit

Barrierefreiheit bedeutet, dass Websites, Apps und digitale Dokumente so gestaltet sind, dass alle Menschen sie nutzen können, auch mit einer Seh-, Hör-, motorischen oder kognitiven Behinderung.

 ](https://www.insideuxdesign.com/de/glossar/barrierefreiheit) [  ### Card Sorting

Card Sorting ist eine Research-Methode, bei der Menschen Begriffe auf Karten in Gruppen sortieren. So siehst du, wie sie Inhalte gedanklich ordnen, und kannst eine verständliche Navigation planen.

 ](https://www.insideuxdesign.com/de/glossar/card-sorting) [  ### Cognitive Load

Cognitive Load ist die geistige Anstrengung, die nötig ist, um eine Oberfläche zu verstehen und zu bedienen. Je weniger unnötige Denkarbeit ein Design verlangt, desto leichter fällt die eigentliche Aufgabe.

 ](https://www.insideuxdesign.com/de/glossar/cognitive-load) [  ### Contextual Inquiry

Contextual Inquiry ist eine Research-Methode, bei der du Menschen in ihrem echten Arbeitsumfeld beobachtest und befragst. So siehst du, wie sie Aufgaben tatsächlich erledigen, nicht nur, wie sie davon erzählen.

 ](https://www.insideuxdesign.com/de/glossar/contextual-inquiry) [  ### Conversion

Eine Conversion ist eine gewünschte Aktion auf einer Website oder in einer App, etwa ein Kauf oder eine Anmeldung. Die Conversion Rate zeigt, welcher Anteil der Besuche dazu führt.

 ](https://www.insideuxdesign.com/de/glossar/conversion)
