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Leichte Sprache oder Einfache Sprache: Was ist der Unterschied?

Leichte Sprache und Einfache Sprache klingen fast gleich, richten sich aber an unterschiedliche Menschen und folgen eigenen Regeln. Was sie unterscheidet und wann dein Produkt welche Variante braucht.

Ein Energieversorger bekommt eine Anfrage von einem Wohnheim für Menschen mit Lernschwierigkeiten: Ob es die Infos zur neuen Abschlagszahlung auch in Leichter Sprache gebe? Im Team fällt die Antwort schnell. „Klar, wir haben doch letztes Jahr alles in Einfache Sprache übersetzt.“ Ein paar Tage später kommt die Rückmeldung aus dem Wohnheim. Die Texte seien zwar freundlicher als vorher, aber für die Bewohnerinnen und Bewohner immer noch zu schwer.

Das Missverständnis ist verbreitet. Leichte Sprache und Einfache Sprache klingen fast gleich, verfolgen ein ähnliches Ziel und werden in Meetings, Ausschreibungen und sogar auf Websites oft synonym verwendet. Tatsächlich sind es zwei unterschiedliche Konzepte, mit unterschiedlichen Zielgruppen, eigenen Regelwerken und anderen Anforderungen an den Prozess.

Dieser Artikel zeigt dir, worin sich die beiden unterscheiden, welche Regeln und Normen es inzwischen gibt, wo Leichte Sprache Pflicht ist und wie dein Team entscheidet, welche Variante für ein Produkt sinnvoll ist.

Warum verständliche Sprache ein UX-Thema ist

Text ist Interface. Buttons, Fehlermeldungen, Formularhilfen, Tarifbeschreibungen und Kündigungsbestätigungen bestehen aus Sprache. Wenn Menschen einen Text nicht verstehen, scheitern sie an der Aufgabe, genauso wie an einem Button, den sie nicht finden.

Wie viele Menschen betroffen sind, zeigt die LEO-Studie 2018 der Universität Hamburg. Danach gelten rund 6,2 Millionen Erwachsene zwischen 18 und 64 Jahren in Deutschland als gering literalisiert. Das sind 12,1 Prozent der deutsch sprechenden Erwachsenen. Sie können höchstens einzelne Sätze lesen und schreiben, aber keine zusammenhängenden Texte, auch keine kurzen. Etwas mehr als die Hälfte von ihnen (52,6 Prozent) hat Deutsch als Erstsprache. Geringe Lesekompetenz ist also kein Randthema und betrifft nicht nur Menschen, die Deutsch gerade lernen.

Dazu kommen Menschen mit Lernschwierigkeiten, mit Demenz oder nach einem Schlaganfall, gehörlose Menschen, für die Deutsch eine Fremdsprache neben der Gebärdensprache ist, und alle, die gerade gestresst, abgelenkt oder müde sind. Jeder Satz, den jemand zweimal lesen muss, erhöht die kognitive Last, also die geistige Anstrengung, die eine Aufgabe erfordert.

Leichte und Einfache Sprache sind zwei Antworten auf dieses Problem. Sie setzen aber an unterschiedlichen Stellen an.

Leichte Sprache: feste Regeln für eine klar umrissene Zielgruppe

Leichte Sprache ist eine stark vereinfachte Form des Deutschen mit festen Regeln. Sie richtet sich vor allem an Menschen mit Lernschwierigkeiten. Viele Selbstvertretungsorganisationen nutzen bewusst den Begriff „Lernschwierigkeiten“ statt „geistige Behinderung“.

Woher die Regeln kommen

Leichte Sprache ist aus der Selbstvertretungsbewegung entstanden. Das Netzwerk Leichte Sprache gibt es seit 2006, seit 2013 ist es ein eingetragener Verein. Sein Regelwerk, zuletzt 2022 neu aufgelegt, war lange die wichtigste Grundlage in der Praxis. Auf europäischer Ebene hat Inclusion Europe 2010 die Standards „Information for all“ veröffentlicht, die Leichte Sprache für mehrere europäische Sprachen beschreiben.

Seit März 2025 gibt es mit der DIN SPEC 33429 „Empfehlungen für Deutsche Leichte Sprache“ ein Dokument von DIN. Es behandelt Wort-, Satz- und Textebene, visuelle Gestaltung, Medienformate, den Erstellungsprozess und die Qualifikation der Beteiligten. Die DIN SPEC ist kostenlos bei DIN Media erhältlich. Wichtig für die Einordnung: Eine DIN SPEC ist keine reguläre Norm. Sie entsteht in kleineren Arbeitsgruppen und schneller als eine DIN-Norm, und wie alle Normen ist sie eine Empfehlung, keine Vorschrift.

Typische Regeln

Das Regelwerk des Netzwerks Leichte Sprache ist sehr konkret. Einige Beispiele:

  • Wörter: bekannte Wörter, für dieselbe Sache immer dasselbe Wort, Verben statt Substantive, kein Genitiv, kein Konjunktiv, keine Redewendungen. Lange Wörter werden mit Bindestrich gegliedert, etwa „Bundes-Gleichstellungs-Gesetz“.
  • Sätze: kurze Sätze mit nur einer Aussage, möglichst keine Nebensätze.
  • Zahlen: Ziffern statt ausgeschriebener Zahlen, große Zahlen und Prozentangaben lieber umschreiben.
  • Gestaltung: große, klare Schrift, linksbündig, jeder Satz in einer neuen Zeile, keine Worttrennung am Zeilenende, Bilder als Verständnishilfe.

Der vielleicht wichtigste Punkt steht am Ende des Regelwerks: Texte in Leichter Sprache werden von Menschen aus der Zielgruppe geprüft. Sie sind die Fachleute dafür, ob ein Text verständlich ist. Ein Text gilt erst als fertig, wenn die Prüfenden ihn verstanden haben.

Was Leichte Sprache mit dem Inhalt macht

Leichte Sprache vereinfacht nicht nur Formulierungen, sondern auch Inhalte. Ein Text in Leichter Sprache konzentriert sich auf das Wichtigste, erklärt Begriffe direkt im Text und ergänzt Beispiele. Was wegfallen darf, wird mit den Prüfenden abgestimmt. Ein Text in Leichter Sprache ist deshalb oft länger als das Original, obwohl er weniger Informationen enthält.

Einfache Sprache: verständlich für viele, ohne Inhalte zu kürzen

Einfache Sprache liegt zwischen Leichter Sprache und der üblichen Standardsprache. Sie vermeidet Fachjargon, Schachtelsätze und Behördendeutsch, bleibt aber Fließtext. Nebensätze sind erlaubt, und vor allem behält Einfache Sprache alle Informationen des Ausgangstexts bei.

Lange gab es für Einfache Sprache kein verbindliches Regelwerk. Das hat sich geändert. Die internationale Norm ISO 24495-1 von 2023 beschreibt Grundsätze und Leitlinien für Plain Language, auf Deutsch erschienen als DIN ISO 24495-1 im März 2024. Sie ist sprachneutral und fragt im Kern: Finden die Lesenden, was sie brauchen, verstehen sie es und können sie es nutzen? Die DIN 8581-1 vom Mai 2024 überträgt diese Grundsätze auf das Deutsche. Sie regelt Wortwahl, Satzbau, Layout und Bilder und sieht Tests mit der Zielgruppe vor, um die Verständlichkeit zu prüfen.

Spannend ist eine Klarstellung in der DIN 8581-1: Menschen mit kognitiven Beeinträchtigungen sind ausdrücklich nicht die Zielgruppe Einfacher Sprache. Die Norm grenzt sich damit bewusst von Leichter Sprache ab. Einfache Sprache richtet sich an ein breites Publikum, etwa an Menschen mit geringer Lesekompetenz, an Menschen mit Deutsch als Zweitsprache und schlicht an alle, die einen Text schnell erfassen wollen.

Die Unterschiede auf einen Blick

Die folgende Übersicht fasst die wichtigsten Unterschiede zusammen. Sie stützt sich auf die Regelwerke und die Einordnung von DIN Media.

  • Zielgruppe: Leichte Sprache richtet sich vor allem an Menschen mit Lernschwierigkeiten. Einfache Sprache richtet sich an ein breites Publikum, ausdrücklich nicht an Menschen mit kognitiven Beeinträchtigungen.
  • Inhalt: Leichte Sprache reduziert auf das Wichtigste. Einfache Sprache behält alle Informationen.
  • Satzbau: Leichte Sprache nutzt kurze Hauptsätze, jeder Satz steht in einer eigenen Zeile. Einfache Sprache bleibt Fließtext mit kurzen Sätzen, Nebensätze sind möglich.
  • Regelwerk: Leichte Sprache folgt dem Netzwerk Leichte Sprache und der DIN SPEC 33429. Einfache Sprache folgt DIN ISO 24495-1 und DIN 8581-1.
  • Prüfung: Bei Leichter Sprache prüfen Menschen aus der Zielgruppe jeden Text. Bei Einfacher Sprache empfiehlt die Norm Tests mit Lesenden.
  • Barrierefreiheit: Leichte Sprache gilt als Mittel der Barrierefreiheit. Einfache Sprache verbessert die Verständlichkeit für viele, ersetzt Leichte Sprache aber nicht.

Manchmal liest du auch eine Einordnung nach den Sprachniveaus des Gemeinsamen europäischen Referenzrahmens (GER). Die Bundeszentrale für politische Bildung ordnet Leichte Sprache grob den Niveaus A1 und A2 zu und Einfache Sprache dem Niveau B1. Das ist eine hilfreiche Faustregel, aber keine offizielle Definition. Keines der Regelwerke legt ein GER-Niveau verbindlich fest.

Ein Vorher-nachher-Beispiel

Am deutlichsten wird der Unterschied an einem Text. Nimm einen typischen Hinweis aus einem Kundenportal eines Energieversorgers.

Standardsprache:

Die Anpassung Ihres monatlichen Abschlagsbetrags erfolgt auf Grundlage Ihres Verbrauchs im zurückliegenden Abrechnungszeitraum unter Berücksichtigung der zum 1. Januar wirksam werdenden Preisänderung. Sofern Sie eine abweichende Festsetzung wünschen, können Sie diese bis zum Fälligkeitstermin im Kundenportal beantragen.

Einfache Sprache:

Ab Januar zahlen Sie einen neuen monatlichen Abschlag. Wir haben ihn aus Ihrem Verbrauch im letzten Jahr berechnet. Außerdem ändern sich ab dem 1. Januar unsere Preise. Wenn Sie einen anderen Betrag zahlen möchten, können Sie das im Kundenportal ändern. Das geht bis zu dem Tag, an dem der Abschlag fällig ist.

Leichte Sprache:

Sie bezahlen jeden Monat Geld für Strom.
Das Geld heißt: Abschlag.
Ab Januar ist der Abschlag anders.
Denn: Der Strom wird teurer.
Sie können den Abschlag ändern.
Das geht im Internet.
Auf unserer Internet-Seite.

Die Version in Einfacher Sprache enthält alle Informationen des Originals, auch den Hinweis auf die Frist. Die Version in Leichter Sprache konzentriert sich auf das Wichtigste und erklärt den Begriff „Abschlag“ direkt. Die Frist und die Berechnungsgrundlage fehlen. In einem echten Projekt würde das Team mit den Prüfenden klären, ob die Frist für die Zielgruppe wichtig genug ist, um sie zu ergänzen, etwa mit einem konkreten Datum. Beide Beispiele sind hier zur Veranschaulichung formuliert und nicht von einer Prüfgruppe geprüft.

Gut zu sehen ist auch die Ansprache. Das Netzwerk Leichte Sprache empfiehlt für Erwachsene das „Sie“, für Kinder oder vertraute Personen ist „Du“ möglich. Wenn dein Produkt sonst duzt, muss das also nicht automatisch für die Leichte-Sprache-Fassung gelten.

Wo Leichte Sprache Pflicht ist und wo nicht

Öffentliche Stellen

Für öffentliche Stellen des Bundes ist die Lage klar. Nach § 4 der Barrierefreie-Informationstechnik-Verordnung (BITV 2.0) müssen sie auf der Startseite ihrer Website Erläuterungen in Deutscher Gebärdensprache und in Leichter Sprache bereitstellen. Laut Anlage 2 gehören dazu Informationen zu den wesentlichen Inhalten, Hinweise zur Navigation, eine Erläuterung der wesentlichen Inhalte der Erklärung zur Barrierefreiheit und Hinweise auf weitere Informationen in diesen Sprachformen.

Daneben verpflichtet § 11 des Behindertengleichstellungsgesetzes (BGG) Träger öffentlicher Gewalt, mit Menschen mit geistigen und seelischen Behinderungen in einfacher und verständlicher Sprache zu kommunizieren. Auf Verlangen sollen sie Bescheide, Vordrucke und andere Dokumente in einfacher und verständlicher Weise erläutern. Reicht das nicht, sollen sie die Erläuterung in Leichter Sprache geben. Für Länder und Kommunen gelten eigene Landesgesetze.

Private Unternehmen

Für private Unternehmen gibt es keine allgemeine Pflicht zu Leichter Sprache. Verständlichkeit wird aber trotzdem verbindlicher. Das Barrierefreiheitsstärkungsgesetz verlangt, dass Websites und Apps im Geltungsbereich wahrnehmbar, bedienbar, verständlich und robust sind. Für Bankdienstleistungen geht die dazugehörige Verordnung noch weiter: Nach § 17 BFSGV dürfen Informationen zur Funktionsweise das Sprachniveau B2 des GER nicht überschreiten. Was das BFSG sonst für Websites und Apps bedeutet, erklärt der Artikel BFSG in der Praxis.

B2 ist allerdings deutlich anspruchsvoller als Leichte Sprache und auch anspruchsvoller als die Faustregel für Einfache Sprache. Wer Erklärungen in Einfacher Sprache formuliert, bleibt also in der Regel klar unter dieser Grenze. Umgekehrt reicht eine B2-taugliche Erklärung nicht aus, um Menschen mit Lernschwierigkeiten zu erreichen.

Auch die WCAG greifen das Thema auf. Das Erfolgskriterium 3.1.5 „Reading Level“ verlangt ergänzende Inhalte oder eine leichter lesbare Version, wenn ein Text mehr Lesefähigkeit voraussetzt als die Sekundarstufe I, also etwa sieben bis neun Schuljahre. Das Kriterium gehört zur Stufe AAA und ist damit weder im BFSG noch in der BITV als Mindeststandard verlangt. Als Orientierung für gute Texte taugt es trotzdem.

Welche Variante passt zu deinem Produkt?

In vielen Teams lautet die Frage nicht „Leichte oder Einfache Sprache?“, sondern „Wo setzen wir was ein?“. Drei Szenarien zeigen, wie die Antwort aussehen kann.

Szenario 1: Die SaaS-Anwendung

Ein Team baut eine Buchhaltungssoftware für Selbstständige. Die Zielgruppe ist breit, viele nutzen das Tool nebenbei und unter Zeitdruck. Hier lohnt sich Einfache Sprache als Grundsatz für das gesamte Produkt: in Microcopy, Fehlermeldungen, Hilfetexten und E-Mails. Eine eigene Fassung in Leichter Sprache ist meist nicht nötig, weil Menschen mit Lernschwierigkeiten nicht zur Kernzielgruppe gehören. Das ist eine Produktentscheidung, die das Team bewusst treffen und begründen sollte.

Szenario 2: Das Kundenportal eines Versorgers

Ein Stadtwerk betreibt ein Portal für Strom, Wasser und Fernwärme. Die Kundschaft umfasst praktisch die gesamte Bevölkerung einer Stadt, darunter Wohnheime, betreute Wohnformen und ältere Menschen. Hier ist eine Kombination sinnvoll: Einfache Sprache für alle Standardtexte und zusätzlich Seiten in Leichter Sprache für die wichtigsten Abläufe, etwa „Wie lese ich meine Rechnung?“, „Was mache ich beim Umzug?“ oder „Was passiert, wenn ich nicht bezahlen kann?“.

Szenario 3: Die Website einer Bundesbehörde

Eine Bundesbehörde hat keine Wahl: Die Inhalte nach § 4 BITV 2.0 müssen in Leichter Sprache und Gebärdensprache vorliegen. Darüber hinaus profitieren die Standardtexte von Einfacher Sprache. Eine Handreichung des Ausschusses für barrierefreie Informationstechnik von 2026 empfiehlt, die Inhalte in Leichter Sprache auf einer eigenen Unterseite zu bündeln. Der Link dorthin soll im sichtbaren Einstiegsbereich stehen und auf jeder Seite erreichbar sein, etwa in der Metanavigation. Ein Link nur im Footer wird ausdrücklich nicht empfohlen. Als Kennzeichnung nennt die Handreichung den Text „Leichte Sprache“ zusammen mit einem Bildzeichen, zum Beispiel dem Icon des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales oder dem europäischen Logo von Inclusion Europe.

So führst du Leichte und Einfache Sprache im Team ein

1. Zielgruppen klären

Prüfe, wer dein Produkt tatsächlich nutzt oder nutzen sollte. Gibt es Hinweise aus dem Support, aus Nutzungsdaten oder aus User Research, dass Menschen an Texten scheitern? Gehören Menschen mit Lernschwierigkeiten zu deiner Zielgruppe? Gibt es eine gesetzliche Pflicht?

2. Einfache Sprache als Standard etablieren

Einfache Sprache ist kein Extra, sondern gutes UX Writing. Verankere ein paar Grundsätze in deinem Styleguide: kurze Sätze, aktive Verben, bekannte Wörter, ein Begriff pro Sache. Prüfe neue Texte im Review genauso selbstverständlich wie Abstände und Farben. Eine Liste mit Begriffen, die in deinem Produkt immer gleich heißen, hilft dabei sehr.

3. Leichte Sprache mit Fachleuten umsetzen

Leichte Sprache ist ein eigenes Handwerk. Gute Texte entstehen mit ausgebildeten Übersetzenden und einer Prüfung durch Menschen aus der Zielgruppe. Plane dafür Budget und Zeit ein und wähle zuerst die wichtigsten Inhalte aus, statt die ganze Website übersetzen zu wollen.

4. Mit echten Lesenden testen

Ob ein Text verständlich ist, zeigt sich erst im Test. Das gilt für beide Sprachformen. Für Einfache Sprache reichen oft kurze Usability-Tests mit Aufgaben wie „Finde heraus, bis wann du deinen Abschlag ändern kannst“. Kann die Person die Frage beantworten, funktioniert der Text.

5. Auffindbarkeit und Gestaltung mitdenken

Eine Seite in Leichter Sprache nützt nichts, wenn niemand sie findet. Platziere den Zugang sichtbar und kennzeichne ihn eindeutig. Achte bei der Gestaltung auf die Vorgaben der Regelwerke: ausreichend große Schrift, linksbündiger Satz, kurze Zeilen, klare Bilder. Viele dieser Punkte überschneiden sich mit allgemeinen Anforderungen an Barrierefreiheit, die über Kontrast und Schriftgröße hinausgehen.

Häufige Fehler

Einfache Sprache als Leichte Sprache bezeichnen. Wer einen Link mit „Leichte Sprache“ beschriftet und dahinter einen vereinfachten Fließtext anbietet, enttäuscht genau die Menschen, die auf echte Leichte Sprache angewiesen sind.

Ohne Prüfung veröffentlichen. Ein Text in Leichter Sprache, den niemand aus der Zielgruppe gelesen hat, ist eine Vermutung. Auch Texte, die mit KI-Werkzeugen vereinfacht wurden, brauchen diese Prüfung.

Kindlich statt einfach schreiben. Leichte Sprache richtet sich an Erwachsene. Verniedlichende Formulierungen oder Bilder im Kinderbuchstil wirken herablassend.

Fachbegriffe ersatzlos streichen. Manche Begriffe brauchen Menschen im Alltag, etwa „Abschlag“, „Kündigung“ oder „Widerruf“. Besser ist es, den Begriff zu nennen und direkt zu erklären. So erkennen ihn Lesende wieder, wenn er auf einem Brief oder in einem Formular auftaucht.

Die Gestaltung vergessen. Ein gut übersetzter Text in Leichter Sprache verliert viel, wenn er im Blocksatz mit Worttrennung und in kleiner, grauer Schrift erscheint.

Fazit

Leichte Sprache und Einfache Sprache sind keine Synonyme. Leichte Sprache ist ein Mittel der Barrierefreiheit für Menschen mit Lernschwierigkeiten: mit festen Regeln, reduzierten Inhalten und einer Prüfung durch die Zielgruppe. Einfache Sprache macht Texte für ein breites Publikum verständlicher, ohne Inhalte wegzulassen, und ist mit DIN ISO 24495-1 und DIN 8581-1 inzwischen genormt.

Für die meisten digitalen Produkte ist Einfache Sprache der richtige Standard für alle Texte. Leichte Sprache kommt dazu, wenn Menschen mit Lernschwierigkeiten zur Zielgruppe gehören oder das Gesetz sie verlangt. Wer beides auseinanderhält, trifft bessere Entscheidungen, plant realistischer und erreicht am Ende mehr Menschen.

Checkliste

  • Zielgruppen und gesetzliche Pflichten geklärt (BITV 2.0, BGG, BFSG und BFSGV)
  • Einfache Sprache als Grundsatz im Styleguide verankert
  • Einheitliche Begriffe für zentrale Funktionen festgelegt
  • Wichtigste Inhalte für Leichte Sprache ausgewählt
  • Texte in Leichter Sprache von Fachleuten erstellt und von Menschen aus der Zielgruppe geprüft
  • Verständlichkeit mit echten Lesenden getestet
  • Zugang zur Leichten Sprache sichtbar platziert und eindeutig gekennzeichnet
  • Gestaltung nach den Regelwerken umgesetzt: große Schrift, linksbündig, keine Worttrennung

Quellen

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