UX-Glossar · engl. UX Writing
UX Writing
UX Writing ist das Schreiben der Texte, die Menschen durch ein digitales Produkt führen, etwa Buttons, Hinweise und Fehlermeldungen. Ziel ist, dass jede Aufgabe ohne Rätselraten gelingt.
Stell dir vor, du willst in einer Banking-App eine Überweisung löschen. Es erscheint ein Dialog: „Vorgang abbrechen?“ mit den Buttons „Ja“ und „Nein“. Heißt „Ja“ jetzt, dass die Überweisung gelöscht wird, oder dass du das Löschen abbrichst? Du tippst unsicher auf einen Button und hoffst das Beste.
Solche Momente verhindert gutes UX Writing.
Einfach erklärt
UX Writing ist das Schreiben der Texte, mit denen Menschen durch ein digitales Produkt geführt werden: Button-Beschriftungen, Menüpunkte, Formularhinweise, Fehlermeldungen, Bestätigungen, leere Zustände und Onboarding-Screens. Diese kurzen Texte nennt man auch Microcopy. Ein Vergleich aus dem Alltag: Die Schilder an einem Flughafen wollen nicht unterhalten. Sie sollen dich ohne Umwege zum richtigen Gate bringen. Genau das leisten gute Texte in einer App.
Die Nielsen Norman Group beschreibt UX Writing sinngemäß als Arbeit mit sorgfältig durchdachten Informationen, die zu Kontext, Bedürfnissen und Verhalten der Menschen passen. Während andere im Team mit Layout und Interaktion gestalten, gestalten UX Writer mit Worten. Das Ergebnis ist Teil der User Experience und nicht bloß Dekoration.
Worauf es ankommt
Drei Eigenschaften tauchen in fast allen Leitfäden auf. Texte sollen klar sein, also beim ersten Lesen verständlich, ohne internen Fachjargon. Sie sollen knapp sein, weil Menschen online eher scannen als lesen. Und sie sollen nützlich sein: Sie sagen, was passiert, was zu tun ist und welche Folgen eine Aktion hat.
UX Writing ist kein Werbetext. Copywriting will überzeugen und Aufmerksamkeit wecken, UX Writing will Menschen bei einer Aufgabe unterstützen. Beides kann sich überschneiden, etwa auf einer Landingpage, verfolgt aber unterschiedliche Ziele. Mehr dazu im Artikel UX Writing vs Copy Writing: Worin liegt der Unterschied?. Wie der Berufsalltag aussieht, zeigt der Artikel Was macht ein UX Writer?.
Ein Beispiel
Ein Beispiel: Ein Shop zeigt nach einer fehlgeschlagenen Zahlung nur „Fehler 402. Transaktion nicht möglich.“ Viele wissen nicht, ob das Geld abgebucht wurde, und schreiben an den Support.
Nach der Überarbeitung steht dort: „Die Zahlung hat nicht geklappt. Dein Konto wurde nicht belastet. Prüfe die Kartendaten oder wähle eine andere Zahlungsart.“ Darunter steht ein Button „Zahlungsart ändern“. Der Text beantwortet die drängendste Frage zuerst und nennt den nächsten Schritt. Auch der Löschdialog vom Anfang wird klarer, wenn die Buttons „Überweisung löschen“ und „Behalten“ heißen.
In der Praxis
- Benenne Buttons nach der Aktion. „Konto erstellen“ ist eindeutiger als „Weiter“ oder „OK“, weil Menschen vorher wissen, was passiert.
- Schreib Fehlermeldungen als Hilfe. Erkläre, was schiefgelaufen ist und wie es weitergeht, ohne Schuld zuzuweisen oder Codes ohne Erklärung zu zeigen.
- Teste Texte wie Design. Im Usability-Test merkst du schnell, an welchen Formulierungen Menschen hängen bleiben. Ein einheitliches Vokabular im Design System sorgt dafür, dass gleiche Dinge überall gleich heißen.
Verwandte Begriffe
Microcopy, Onboarding, Usability-Test, User Experience