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InsideUX Design

UX-Glossar · engl. Usability Testing

Usability-Test

Bei einem Usability-Test erledigen echte Menschen typische Aufgaben mit einem Produkt, während du beobachtest, wo sie zögern oder scheitern. So findest du Probleme, bevor sie die Kundschaft verärgern.

Stell dir vor, ein Fitnessstudio hat eine neue App, mit der Mitglieder Kurse buchen. Im Team klappt alles reibungslos, schließlich kennt hier jeder jeden Knopf. Dann setzt das Team eine Frau Anfang sechzig vor die App und bittet sie, einen Yogakurs am Donnerstag zu buchen. Nach zwei Minuten sucht sie immer noch. Genau solche Momente macht ein Usability-Test sichtbar.

Einfach erklärt

Bei einem Usability-Test bittest du Menschen, mit einem Produkt typische Aufgaben zu erledigen, und beobachtest dabei, was passiert. Usability bedeutet Gebrauchstauglichkeit, also wie leicht, schnell und zufriedenstellend sich etwas benutzen lässt. Getestet wird nicht die Testperson, sondern das Produkt.

Ein Vergleich aus dem Alltag: Du schreibst eine Wegbeschreibung zu deiner Wohnung und gibst sie einer Freundin, die noch nie da war. Wo sie falsch abbiegt, ist deine Beschreibung unklar. Genauso zeigt ein Usability-Test, wo eine Oberfläche Menschen in die Irre führt.

So läuft ein Test ab

Laut Nielsen Norman Group gibt es drei Grundbausteine: eine Person, die den Test leitet (Moderation), realistische Aufgaben und Teilnehmende, die der echten Zielgruppe ähneln. Oft sollen die Testpersonen laut denken, also aussprechen, was ihnen durch den Kopf geht. So erfährst du nicht nur, wo sie hängen bleiben, sondern auch, warum.

Tests können vor Ort oder remote stattfinden, moderiert oder unmoderiert. Bei unmoderierten Tests arbeiten die Teilnehmenden allein mit einem Online-Tool wie Maze, das Aufgaben anzeigt und den Bildschirm aufzeichnet. Außerdem unterscheidet man qualitative Tests, die Probleme aufdecken, von quantitativen Tests, die Kennzahlen wie Erfolgsquote oder Bearbeitungszeit messen.

Ein Beispiel

Zurück zur Fitness-App. Vorher: Der Kursplan versteckt sich hinter einem Symbol ohne Beschriftung, und Buchungen laufen vor allem über das Telefon am Empfang. Das Team testet mit fünf Mitgliedern, und vier davon suchen den Kursplan im falschen Menü. Nachher: Der Bereich heißt nun schlicht „Kurse buchen“ und liegt prominent auf der Startseite. In einer zweiten Testrunde findet jede Testperson den Yogakurs in wenigen Sekunden.

Häufige Missverständnisse

Oft heißt es, fünf Testpersonen reichen immer. Das stimmt nur eingeschränkt. Jakob Nielsen hat gezeigt, dass fünf Personen in einem qualitativen Test rechnerisch rund 85 Prozent der Probleme finden, unter der Annahme, dass eine einzelne Person etwa 31 Prozent aufdeckt. Er empfiehlt deshalb mehrere kleine Runden statt einer großen. Hast du sehr unterschiedliche Zielgruppen oder willst du Kennzahlen messen, brauchst du mehr Teilnehmende.

Wie du aus den Beobachtungen konkrete Verbesserungen ableitest, zeigt der Artikel Wie man wertvolles Feedback aus Usability-Tests extrahiert.

In der Praxis

  • Formuliere Aufgaben ohne Hinweise. Schreib „Buche einen Yogakurs am Donnerstag“ statt „Klicke auf Kursplan“. Begriffe aus der Oberfläche verraten sonst die Lösung.
  • Hilf nicht, auch wenn es schwerfällt. Jede Hilfestellung verfälscht das Ergebnis. Frag lieber nach: „Was erwartest du an dieser Stelle?“
  • Teste klein und oft. Drei Runden mit je fünf Personen bringen mehr als eine Runde mit fünfzehn, weil du zwischendurch verbessern kannst.

Verwandte Begriffe

User Research, Prototyp, System Usability Scale, Heuristische Evaluation

Quellen