UX-Glossar
System Usability Scale
Die System Usability Scale (SUS) ist ein kurzer, standardisierter Fragebogen mit zehn Aussagen. Er fasst zusammen, wie gebrauchstauglich Menschen ein Produkt empfinden, in einem Wert von 0 bis 100.
Stell dir vor, ein Team hat das Kundenportal eines Stromanbieters überarbeitet. Die Tests liefen gut, aber die Geschäftsführung will eine Zahl sehen: Ist das neue Portal wirklich einfacher als das alte? Für genau diese Frage gibt es die System Usability Scale, kurz SUS.
Einfach erklärt
Die SUS ist ein Fragebogen mit zehn Aussagen, den Testpersonen direkt nach der Nutzung eines Produkts ausfüllen. Zu jeder Aussage geben sie auf einer Skala von 1 („stimme überhaupt nicht zu“) bis 5 („stimme voll zu“) an, wie sehr sie zustimmen. Eine Aussage lautet sinngemäß übersetzt: „Ich fand das System unnötig komplex.“ Am Ende steht ein einziger Wert zwischen 0 und 100.
Ein Vergleich aus dem Alltag: Die SUS funktioniert wie die Sternebewertung nach einer Taxifahrt. Sie sagt dir schnell, wie zufrieden jemand insgesamt war, aber nicht, ob es am Fahrstil, an der Route oder an der Musik lag. Entwickelt hat den Fragebogen John Brooke 1986 bei der Computerfirma Digital Equipment Corporation (DEC). Er beschreibt ihn selbst als „quick and dirty“, also als schnelles, bewusst einfaches Werkzeug.
So berechnest du den Wert
Die ungeraden Aussagen sind positiv formuliert, die geraden negativ. Bei ungeraden Aussagen ziehst du von der Antwort 1 ab, bei geraden ziehst du die Antwort von 5 ab. Die zehn Ergebnisse addierst du und multiplizierst die Summe mit 2,5. Fertig ist der SUS-Wert. Eine einfache Tabellenkalkulation reicht dafür völlig aus.
Wichtig: Der Wert ist kein Prozentwert. Jeff Sauro von MeasuringU hat Daten aus rund 500 Studien ausgewertet. Der Durchschnitt liegt bei 68. Ein Wert von 68 ist also Mittelmaß, nicht „68 Prozent gut“. Werte über etwa 80 gehören zu den besten zehn Prozent.
Ein Beispiel
Zurück zum Stromanbieter. Vorher: Das alte Portal erreicht bei zwölf Testpersonen einen durchschnittlichen SUS-Wert von 58, also unter dem Durchschnitt. Nachher: Nach der Überarbeitung füllen zwölf andere Testpersonen nach denselben Aufgaben denselben Fragebogen aus, und das neue Portal kommt auf 77. Das Team kann jetzt belegen, dass sich die wahrgenommene Gebrauchstauglichkeit klar verbessert hat. Welche Stellen noch hakten, zeigen allerdings erst die Beobachtungen aus dem Usability-Test.
Häufige Missverständnisse
Die SUS ist kein Diagnosewerkzeug. Brooke betont selbst, dass die einzelnen Aussagen nicht dafür gedacht sind, konkrete Probleme zu finden. Dafür brauchst du Beobachtungen oder eine heuristische Evaluation. Mehr dazu, was Usability überhaupt ausmacht, liest du im Artikel Was ist Usability?.
In der Praxis
- Frag direkt nach dem Test. Lass den Fragebogen ausfüllen, bevor ihr über die Aufgaben sprecht. Sonst beeinflusst das Gespräch die Antworten.
- Ändere die Aussagen möglichst wenig. Die Vergleichswerte stammen aus Studien mit dem etablierten Wortlaut. Je stärker du umformulierst, desto weniger kannst du deine Werte daran messen.
- Vergleiche, statt einzelne Werte zu feiern. Aussagekräftig wird die SUS im Vergleich: alte gegen neue Version oder dein Produkt gegen den Durchschnitt.
Verwandte Begriffe
Usability-Test, Heuristische Evaluation, User Research