UX-Glossar
Card Sorting
Card Sorting ist eine Research-Methode, bei der Menschen Begriffe auf Karten in Gruppen sortieren. So siehst du, wie sie Inhalte gedanklich ordnen, und kannst eine verständliche Navigation planen.
Stell dir vor, ein Sportverein baut seine Website neu. Im Vorstand wird seit Wochen diskutiert, ob „Beiträge“ unter „Mitgliedschaft“ oder unter „Service“ gehört und ob Eltern die Trainingszeiten eher bei „Abteilungen“ oder bei „Termine“ suchen. Jede Person ist sich sicher, recht zu haben. Statt weiter zu streiten, fragt das Team die Menschen, die die Website später nutzen: mit einem Stapel Karten.
Einfach erklärt
Card Sorting ist eine Research-Methode, bei der Teilnehmende Begriffe auf Karten in Gruppen sortieren, die für sie zusammengehören. Jede Karte steht für einen Inhalt, etwa eine Seite oder eine Funktion. Das Prinzip kennst du vom Aufräumen einer Küche: Manche sortieren nach Gerätetyp, andere danach, was sie zum Backen oder Kochen brauchen. Beim Card Sorting siehst du, welche Logik die Menschen im Kopf haben, also ihr mentales Modell.
Die Ergebnisse helfen dir, eine Informationsarchitektur aufzubauen, also die Struktur und Benennung der Inhalte, die sich an den Erwartungen der Nutzenden orientiert und nicht am Organigramm.
Offen, geschlossen oder hybrid
Beim offenen Card Sorting bilden die Teilnehmenden eigene Gruppen und geben ihnen selbst Namen. Diese Variante ist die häufigste und eignet sich, wenn du noch keine Struktur hast. Beim geschlossenen Card Sorting gibst du die Kategorien vor, und die Karten werden nur noch zugeordnet. Die Nielsen Norman Group empfiehlt zum Überprüfen einer fertigen Struktur allerdings eher Tree Testing. Die hybride Form mischt beides: Einige Kategorien sind vorgegeben, weitere dürfen ergänzt werden.
Außerdem kannst du moderiert oder unmoderiert arbeiten. Moderiert sitzt jemand dabei und fragt nach, warum eine Karte in eine bestimmte Gruppe wandert. Unmoderiert läuft die Sortierung über ein Online-Tool wie Optimal Workshop, und du bekommst mehr Daten für eine zahlenbasierte Auswertung.
Ein Beispiel
Zurück zum Sportverein. Vorher ist die Website nach den Gremien des Vereins aufgebaut: „Vorstand“, „Geschäftsstelle“, „Jugendleitung“. Wer die Trainingszeiten für die U10 sucht, klickt sich durch drei Menüs. Im offenen Card Sorting mit 15 Mitgliedern und Eltern zeigt sich ein klares Muster: Fast alle legen Trainingszeiten, Hallenplan und Ansprechperson einer Mannschaft auf einen Stapel und nennen ihn sinngemäß „Mein Team“. Nachher gibt es pro Abteilung eine Seite mit genau diesen Inhalten, und die Gremien wandern in einen Bereich „Über den Verein“.
Häufige Missverständnisse
Card Sorting liefert Ideen für eine Struktur, aber noch keine fertige Navigation. Die Gruppennamen der Teilnehmenden sind Anregungen, keine endgültigen Menüpunkte. Und weil verschiedene Menschen dieselben Inhalte oft unterschiedlich gruppieren, brauchst du weiterhin eigenes Urteilsvermögen und einen zweiten Test, der die Struktur überprüft. Mehr dazu im Artikel Card Sorting Basics: Effiziente Informationsarchitektur für Anfänger.
In der Praxis
- Halte den Kartenstapel überschaubar. Die Nielsen Norman Group empfiehlt 30 bis 50 Karten. Bei mehr Karten ermüden Teilnehmende und legen vieles auf einen großen Stapel „Sonstiges“.
- Plane genug Teilnehmende ein. Für qualitative Erkenntnisse gelten mindestens 15 Personen als sinnvoll, für eine belastbare quantitative Auswertung eher 30 bis 50.
- Vermeide verräterische Wörter. Wenn mehrere Karten dasselbe Wort enthalten, sortieren Menschen oft nach diesem Wort statt nach dem Inhalt. Formuliere die Karten deshalb unterschiedlich und teste sie vorher mit ein, zwei Personen.
Verwandte Begriffe
Informationsarchitektur, Tree Testing, Mentales Modell, User Research