UX-Glossar · engl. Color Vision Deficiency
Farbsehschwäche
Eine Farbsehschwäche bedeutet, dass jemand bestimmte Farben schlechter unterscheiden kann als die meisten Menschen. Am häufigsten ist die Rot-Grün-Schwäche.
Stell dir vor, du füllst online ein Formular aus und klickst auf „Absenden“. Nichts passiert. Erst nach einer Weile merkst du, dass zwei Felder einen roten Rahmen bekommen haben. Für dich sieht dieser Rahmen allerdings fast genauso aus wie der graugrüne Rahmen der anderen Felder. Du rätst, was falsch ist.
So erleben viele Menschen mit einer Farbsehschwäche Interfaces, die Informationen nur über Farbe vermitteln.
Einfach erklärt
Eine Farbsehschwäche (englisch Color Vision Deficiency, kurz CVD) bedeutet, dass jemand bestimmte Farben schlechter unterscheiden kann als die meisten Menschen. Ursache sind meist die Zapfen in der Netzhaut, also die Sinneszellen für Farbe. Es gibt drei Arten, jeweils für langwelliges (rötliches), mittelwelliges (grünliches) und kurzwelliges (bläuliches) Licht. Funktioniert eine Art anders oder gar nicht, verschwimmen bestimmte Farbtöne.
Ein Vergleich aus dem Alltag: Stell dir vor, an deinem Fernseher ist ein Farbregler verstellt. Du siehst weiterhin ein buntes Bild, aber manche Töne, die eigentlich klar verschieden sind, wirken plötzlich ähnlich.
Umgangssprachlich heißt das oft „Farbenblindheit“. Das trifft es meist nicht: Die allermeisten Betroffenen sehen Farben, nur anders. Vollständig ohne Farbwahrnehmung (Achromatopsie) leben laut MedlinePlus etwa 1 von 30.000 Menschen.
Formen und Häufigkeit
- Rot-Grün-Schwäche ist die häufigste Form. Rot-, Gelb- und Grüntöne sind schwer zu unterscheiden. In Bevölkerungen mit nordeuropäischer Abstammung betrifft sie laut MedlinePlus etwa 1 von 12 Männern und 1 von 200 Frauen. In den meisten anderen untersuchten Bevölkerungen ist sie seltener.
- Blau-Gelb-Schwäche ist deutlich seltener, weltweit weniger als 1 von 10.000 Menschen, und betrifft alle Geschlechter gleich.
Die meisten Formen sind angeboren. Eine Farbsehschwäche kann aber auch durch Augenerkrankungen oder bestimmte Medikamente entstehen.
Ein Beispiel
Ein Beispiel: Ein Dashboard zeigt den Status von Bestellungen mit grünen und roten Punkten, ohne Beschriftung. Wer eine Rot-Grün-Schwäche hat, sieht zwei fast gleiche Punkte und kann nicht erkennen, welche Bestellung hängt.
Nach der Überarbeitung steht neben jedem Punkt ein Wort („Versendet“, „Problem“), und der Problemstatus bekommt zusätzlich ein Warnsymbol. Die Farben bleiben, sind aber nicht mehr die einzige Information.
Warum das wichtig ist
Die WCAG verlangen in Erfolgskriterium 1.4.1 (Stufe A), dass Farbe nicht das einzige visuelle Mittel ist, um Informationen zu vermitteln. Das betrifft Fehlermeldungen, Links im Fließtext, Diagramme und Statusanzeigen. Mehr dazu im Artikel Farbenblindheit im UX-Design: Richtlinien und Werkzeuge.
In der Praxis
- Kombiniere Farbe mit einem zweiten Signal. Text, Symbole, Muster oder Unterstreichungen sorgen dafür, dass die Information auch ohne Farbe ankommt.
- Simuliere früh. Plugins wie Stark oder die Funktion „Emulate vision deficiencies“ in den Chrome DevTools zeigen, wie dein Entwurf mit verschiedenen Farbsehschwächen wirkt.
- Setz auf Helligkeitsunterschiede. Farben mit ausreichendem Kontrastverhältnis bleiben auch dann unterscheidbar, wenn der Farbton verschwimmt.
Verwandte Begriffe
Barrierefreiheit, WCAG, Kontrastverhältnis, Gestaltgesetze
Quellen
- MedlinePlus Genetics: Color vision deficiency. U.S. National Library of Medicine, 2015
- MedlinePlus Genetics: Achromatopsia. U.S. National Library of Medicine, 2025
- W3C WAI: Understanding Success Criterion 1.4.1: Use of Color. W3C, 2025
- Chrome for Developers: What’s New In DevTools (Chrome 83): Emulate vision deficiencies. Google, 2020