UX-Glossar · engl. Jakob’s Law
Jakob’s Law
Jakob’s Law besagt, dass Menschen die meiste Zeit auf anderen Websites verbringen und deshalb erwarten, dass deine Website so funktioniert wie die, die sie schon kennen.
Stell dir vor, du landest zum ersten Mal in einem Online-Shop. Du suchst den Warenkorb oben rechts, doch dort ist nichts. Nach einer Weile entdeckst du ihn unten links als kleines Kistensymbol. Gekauft hast du da schon längst woanders.
Der Shop hat nichts kaputt gemacht. Er hat nur eine Erwartung enttäuscht, die du von unzähligen anderen Shops mitbringst.
Einfach erklärt
Jakob’s Law geht auf den Usability-Experten Jakob Nielsen zurück, der die Idee im Jahr 2000 als „Jakob’s Law of the Internet User Experience“ formuliert hat. Der Kern: Menschen verbringen die meiste Zeit auf anderen Websites. Deshalb erwarten sie, dass deine Website so funktioniert wie die, die sie schon kennen.
Ein Vergleich aus dem Alltag: Wenn du ein fremdes Auto mietest, erwartest du das Bremspedal links vom Gaspedal. Ein Hersteller, der die Pedale vertauscht, wäre vielleicht originell, aber gefährlich. Im Web ist es ähnlich, nur weniger dramatisch. Logo oben links als Link zur Startseite, Suche mit Lupensymbol, Warenkorb oben rechts: Solche Konventionen sind gelernte Muster, und sie entlasten das mentale Modell der Menschen, die deine Seite nutzen.
Konvention oder Innovation?
Jakob’s Law ist kein Verbot von Neuem. Nielsen rät sinngemäß, bekannte Muster beizubehalten, solange eine Abweichung nicht deutlich besser ist. Eine leichte Verbesserung kann sich trotzdem nicht lohnen, wenn Menschen dafür erst umlernen müssen und der Lernaufwand den Gewinn auffrisst.
Neue Muster setzen sich durch, wenn sie einen klaren Vorteil bieten oder ein neues Bedürfnis lösen. Bei ganz neuen Interaktionsformen empfiehlt Nielsen, zu beobachten, worauf sich die Produkte am Markt einigen, und diese Muster dann zügig zu übernehmen. Dazu passt die Heuristik „Konsistenz und Standards“ aus seinen 10 Usability-Heuristiken.
Ein Beispiel
Ein Beispiel: Ein Vereinsportal zeigt seine Navigation als Kreismenü, das sich erst nach einem Klick auf das Vereinslogo in der Mitte öffnet. Neue Mitglieder suchen minutenlang nach den Trainingszeiten, im Support häufen sich die Anfragen.
Nach der Überarbeitung gibt es eine klassische Navigationsleiste oben, auf kleinen Bildschirmen ein vertrautes Hamburger-Menü. Das Kreismenü verschwindet. Die Inhalte sind dieselben, aber Menschen finden sie auf Anhieb, weil sie dort sind, wo man sie erwartet.
In der Praxis
- Schau dir an, was deine Zielgruppe kennt. Prüf, wie die Websites und Apps aufgebaut sind, die deine Zielgruppe täglich nutzt, und orientier dich an deren Mustern.
- Weiche nur mit gutem Grund ab. Wenn du ein neues Muster einführst, prüf mit einem Usability-Test, ob es wirklich besser funktioniert als das bekannte.
- Gib bei Redesigns Zeit zum Umgewöhnen. Eine Vorschau oder die Möglichkeit, eine Zeit lang zur alten Ansicht zurückzukehren, nimmt den Druck raus. Weitere Gesetzmäßigkeiten dieser Art sammelt die Ressource Laws of UX.
Verwandte Begriffe
Mentales Modell, Heuristische Evaluation, Design System, Hamburger-Menü