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InsideUX Design

UX-Glossar · engl. Lean UX

Lean UX

Lean UX ist eine Arbeitsweise, bei der Teams Annahmen als Hypothesen formulieren und mit kleinen Experimenten prüfen. Gemeinsames Lernen ersetzt umfangreiche Dokumentation.

Stell dir vor, ein Team arbeitet drei Monate an einem ausführlichen Konzept für eine neue Funktion: Personas, Wireframes, ein 60-seitiges Spezifikationsdokument. Nach dem Launch zeigt sich, dass kaum jemand die Funktion nutzt. Die Annahme dahinter wurde nie geprüft.

Lean UX ist ein Gegenentwurf zu genau diesem Vorgehen.

Einfach erklärt

Lean UX ist eine Arbeitsweise, bei der ein Team Annahmen über Nutzende und Produkt früh als überprüfbare Hypothesen formuliert und sie mit kleinen Experimenten testet. Statt lange Dokumente zu übergeben, arbeiten Design, Entwicklung und Produktmanagement eng zusammen und lernen in kurzen Schleifen. „Lean“ bedeutet hier nicht „billig“, sondern: keine Arbeit in Dinge stecken, die niemandem helfen.

Ein Vergleich aus dem Alltag: Bevor du ein neues Rezept für zwanzig Gäste kochst, probierst du es lieber einmal im Kleinen aus. Schmeckt es nicht, hast du wenig verloren und weißt, was du ändern musst.

Bekannt gemacht haben den Ansatz Jeff Gothelf und Josh Seiden, vor allem mit dem Buch „Lean UX“, das 2013 erstmals bei O’Reilly erschien. Die dritte Auflage kam 2021 heraus und arbeitet unter anderem mit dem Lean UX Canvas, einer Vorlage, mit der Teams Problem, Ziele, Nutzende, Lösungsideen und Hypothesen gemeinsam auf einer Seite strukturieren.

Die drei Grundlagen

Gothelf und Seiden beschreiben drei Wurzeln. Aus dem UX-Design und Design Thinking kommt der Fokus auf die Bedürfnisse der Menschen, die ein Produkt nutzen. Aus der agilen Softwareentwicklung kommen Zusammenarbeit, funktionierende Ergebnisse statt umfangreicher Dokumentation und die Bereitschaft, Pläne zu ändern. Aus Lean Startup von Eric Ries stammt der Kreislauf aus Bauen, Messen und Lernen.

Ein zentraler Gedanke ist der Fokus auf Outcomes statt Outputs. Ein Output ist das, was ein Team liefert, etwa ein Feature. Ein Outcome ist die Veränderung im Verhalten von Menschen, die dadurch entsteht, etwa dass mehr Kundschaft eine Bestellung ohne Hilfe abschließt. Erfolg bemisst sich am Outcome.

Hypothesen folgen dabei oft einem einfachen Muster, sinngemäß: Wir glauben, dass diese Lösung für diese Menschen dieses Ergebnis bringt, und wir erkennen das an einem bestimmten messbaren Signal. Mehr zur Einordnung im Artikel Lean UX: Trend oder handfeste Verbesserung?.

Ein Beispiel

Ein Beispiel: Ein Team vermutet, dass Menschen in einer Fitness-App einen Trainingsplan per KI wollen. Statt die Funktion komplett zu bauen, ergänzt es einen Button „Plan erstellen lassen“, der zunächst nur zu einer kurzen Umfrage und einer Warteliste führt.

Nach zwei Wochen ist klar, wie viele den Button nutzen und was sie sich wünschen. Das Team entscheidet auf dieser Basis, ob und wie es weiterbaut. Solche Minimalversionen nennt man Minimum Viable Product.

In der Praxis

  • Schreibt Annahmen auf. Sammelt im Team, was ihr über Nutzende und Produkt nur vermutet, und priorisiert, was am riskantesten ist.
  • Testet klein und schnell. Ein klickbarer Prototyp, eine Landingpage oder ein Gespräch reichen oft, um eine Hypothese zu prüfen.
  • Lernt gemeinsam. Schaut euch Testergebnisse als ganzes Team an, statt Berichte weiterzureichen. Viele Methoden für kleine Teams sammelt das Buch Lean UX für kleine Teams, das Original findest du unter Lean UX.

Verwandte Begriffe

Minimum Viable Product, Prototyp, User Research, A/B-Test

Quellen