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InsideUX Design

UX-Glossar

Progressive Disclosure

Progressive Disclosure ist ein Gestaltungsprinzip, bei dem eine Oberfläche zuerst nur das Wichtigste zeigt. Weitere Optionen und Details erscheinen erst, wenn jemand sie anfordert.

Stell dir vor, du willst schnell ein PDF ausdrucken. Statt eines einfachen Dialogs mit „Drucker“, „Seiten“ und „Drucken“ öffnet sich ein Fenster mit 40 Optionen: Farbprofile, Randabstände, Duplex-Bindung, Papierfach. Du suchst eine halbe Minute nach dem Druck-Button.

Viele Druckdialoge lösen das anders: Sie zeigen zuerst das Nötigste und verstecken den Rest hinter „Weitere Einstellungen“. Dieses Prinzip heißt Progressive Disclosure, auf Deutsch etwa „schrittweise Offenlegung“.

Einfach erklärt

Progressive Disclosure bedeutet: Eine Oberfläche zeigt zuerst nur die wichtigsten Informationen und Funktionen. Alles Weitere erscheint erst, wenn jemand es ausdrücklich anfordert. Das ist wie eine Speisekarte, die vorn die Hauptgerichte zeigt, während die Weinkarte separat auf Nachfrage kommt. Wer nur essen will, wird nicht von 80 Weinen erschlagen. Wer Wein möchte, bekommt die volle Auswahl.

Jakob Nielsen hat das Prinzip 2006 in einem viel zitierten Artikel beschrieben. Sinngemäß schreibt er, dass Progressive Disclosure gleich drei Aspekte der Usability verbessert: Neulinge lernen ein System schneller, Erfahrene arbeiten effizienter und es passieren weniger Fehler. Die Idee selbst war schon damals nicht neu. Nielsen bezeichnet sie als über 30 Jahre alt.

Worauf es ankommt

Laut Nielsen hängt der Erfolg an zwei Dingen. Erstens an der richtigen Aufteilung: Was häufig gebraucht wird, gehört nach vorn. Was selten gebraucht wird, darf in die zweite Ebene. Diese Entscheidung triffst du am besten auf Basis von Daten, etwa aus Nutzungsstatistiken, Beobachtungen und einem Usability-Test. Zweitens muss der Weg zur zweiten Ebene klar erkennbar sein. Ein Link wie „Erweiterte Optionen“ sollte gut sichtbar sein und deutlich sagen, was dahinter wartet.

Nielsen rät außerdem von mehr als zwei Ebenen ab, weil sich Menschen sonst leicht verlaufen. Eine verwandte Variante ist die Staged Disclosure: Ein Assistent führt Schritt für Schritt durch einen Ablauf, etwa bei einer Buchung. Hier durchlaufen Menschen jeden Schritt, während sie bei Progressive Disclosure selbst entscheiden, ob sie tiefer gehen.

Hinter dem Prinzip steckt, dass das Arbeitsgedächtnis nur begrenzt viel gleichzeitig verarbeiten kann. Jede zusätzliche Option erhöht die kognitive Belastung. Mehr dazu im Artikel Grundlagen menschlicher Wahrnehmung: Das Kurzzeitgedächtnis.

Ein Beispiel

Vorher zeigt eine Banking-App beim Überweisen alle Felder auf einmal: Empfänger, IBAN, Betrag, Verwendungszweck, Ausführungsdatum, Dauerauftrag, Rhythmus, Endtermin. Viele scrollen verunsichert hin und her.

Nachher zeigt der Screen zunächst nur Empfänger, IBAN, Betrag und Verwendungszweck. Darunter steht „Später ausführen oder als Dauerauftrag“. Wer das braucht, klappt es auf. Alle anderen sind nach vier Feldern fertig.

Häufige Missverständnisse

Progressive Disclosure heißt nicht, Funktionen zu verstecken, die viele Menschen regelmäßig brauchen. Landet eine häufig genutzte Option in der zweiten Ebene, kostet jeder Zugriff einen zusätzlichen Klick und Suchzeit. Das Prinzip funktioniert nur, wenn die Aufteilung zur tatsächlichen Nutzung passt.

In der Praxis

  • Nutzung messen statt raten. Prüfe mit Daten und Beobachtungen, welche Funktionen wirklich häufig gebraucht werden, bevor du etwas in die zweite Ebene verschiebst.
  • Klar beschriften. „Mehr“ allein sagt wenig. „Lieferadresse ändern“ oder „Erweiterte Filter“ zeigt, was sich öffnet.
  • Maximal zwei Ebenen. Wenn du eine dritte brauchst, ist das ein Zeichen, dass die Funktion selbst vereinfacht werden sollte.

Verwandte Begriffe

Cognitive Load, Onboarding, Hick’s Law, Mentales Modell

Quellen