UX-Glossar
Wireframe
Ein Wireframe ist ein schematischer Grundriss einer Seite oder eines Screens. Er zeigt, welche Inhalte und Bedienelemente wohin gehören, bewusst ohne Farben, Schriften und Bilder.
Stell dir vor, eine Tischlerei will eine neue Website. Im ersten Termin zeigt das beauftragte Designbüro gleich einen fertigen Entwurf mit Fotos, Holzfarben und schicker Schrift. Die Diskussion dreht sich danach eine Stunde lang um den Braunton des Hintergrunds. Ob die Kundschaft überhaupt schnell die Telefonnummer und die Leistungen findet, fragt niemand.
Mit einem Wireframe wäre das anders gelaufen. Er zeigt nur Kästen, Linien und Platzhalter und lenkt den Blick damit auf das, was zuerst geklärt werden muss: Was steht wo, und wie kommt man weiter?
Einfach erklärt
Ein Wireframe ist der Grundriss einer Seite oder eines App-Screens. So wie ein Architekturplan zeigt, wo Küche, Bad und Türen liegen, bevor jemand über Fliesen spricht, zeigt ein Wireframe, wo Navigation, Überschriften, Texte, Bilder und Buttons hinkommen. Farben, Schriften und Fotos lässt er bewusst weg, Bilder sind oft nur ein Kasten mit einem Kreuz.
Der Name kommt vom englischen „wire frame“, also Drahtgestell. Gemeint ist ein Skelett, das Form und Aufbau zeigt, aber noch keine Oberfläche hat. Ein Wireframe bildet damit die Struktur ab, die zuvor in der Informationsarchitektur festgelegt wurde. Wie du Inhalte sinnvoll ordnest, bevor du sie in Wireframes überträgst, erklärt der Artikel Einführung in die Informationsarchitektur.
Wireframe, Mockup, Prototyp: der Unterschied
Die drei Begriffe werden oft durcheinandergeworfen. Ein Wireframe zeigt die Struktur. Ein Mockup zeigt das Aussehen, also mit echten Farben, Schriften und Bildern, ist aber meist statisch. Ein Prototyp simuliert die Bedienung: Du kannst klicken und Abläufe ausprobieren. Auch ein Wireframe kann klickbar verbunden werden und wird dann zu einem einfachen Prototyp.
Wireframes gibt es in unterschiedlicher Detailtreue. Low-Fidelity-Wireframes sind grobe Skizzen, oft auf Papier oder am Whiteboard. Mid-Fidelity-Wireframes entstehen meist digital, etwa in Figma, mit Grautönen für die Gewichtung und ersten echten Texten. Die Nielsen Norman Group weist darauf hin, dass klassische Wireframes Seitenaufbau gut zeigen, Interaktionen und sich verändernde Zustände in Apps aber kaum. Dafür gibt es Wireflows: Wireframes, die mit Pfeilen verbunden sind und zeigen, welcher Klick zu welchem Screen führt.
Ein Beispiel
Zurück zur Tischlerei. Vorher: ein hübscher Entwurf, viel Gespräch über Farben, aber die Kontaktdaten stehen ganz unten im Footer.
Nachher: Das Team beginnt mit drei schnellen Wireframes der Startseite. In Variante B stehen Telefonnummer und „Angebot anfragen“ ganz oben, die Leistungen folgen als drei Kästen. Im Gespräch mit der Tischlerei fällt sofort auf, dass eine Rubrik für Referenzen fehlt. Das ist in zehn Minuten ergänzt. Erst danach geht es an Farben und Fotos, und die Gestaltung baut auf einer geprüften Struktur auf.
In der Praxis
- Mit echten Inhalten arbeiten. Ersetze „Lorem ipsum“ früh durch echte Überschriften und Button-Texte. Erst dann merkst du, ob Platz und Reihenfolge passen.
- Mehrere Varianten skizzieren. Drei grobe Entwürfe in einer halben Stunde bringen mehr als einer, an dem du einen Tag feilst.
- Feedback gezielt einholen. Frag nach Struktur und Abläufen, nicht nach Geschmack. Für Fragen zum Aussehen ist später noch Zeit.
Verwandte Begriffe
Prototyp, Informationsarchitektur, Design System